Geschichte

Der heutige Marstall wurde 1872 erbaut und diente als Stall für die Unterbringung von 30 städtischen Reitpferden. Weiterhin wurde der Marstall als Exerzier- und Reithalle sowie als Unterkunft für Kriegsgefangene genutzt.

Stralsund Reitstall Bild 1

Geschichte des Gebäudes Mühlenstraße 10

Am 12. Juni 1680 entwickelte sich ein Brand in der Blauturmstraße zum Stadtbrand und hinterließ eine Schneise der Zerstörung. Die Schneise erstreckte sich quer durch die Stadt, von der Blauturmstraße bis zur Mühlenstraße. Es wurde auch Gebäude an der Ecke der Mönchstraße und Mühlenstraße zerstört. Dort standen vorher allein fünf Buden und elf „Keller“ (Keller – sehr ärmliche Behausung).

Um 1960 wurde die königliche Roßmühle auf einem Teil des wüsten Grundstücks errichtet. Die Roßmühle gehörte der schwedischen Krone.

1706 Grundstücksbeschreibung in der sogenannten Schwedischen Matrikel

„Daß Haus No. 24 ist beleghen im S. Georgen „Viertheyl für den Hospitalschen thor gegen Osten, grentzet Südwerts mit Sehl. Schattauen Wittwe Wüste Stelle, Westwerts mit H. Johan Stieffleben Wüste Stelle, Nordwerts mit der Stadt Mauer. Eigenthümer ist Ihro Königl. Majest. Einhaber ist der H. Commendant und Obrister Schultz. Das Hauß ist und wird genandt die Roß-Mühle.

Die Unterste Wohnung:

Hat an der Süderseyten einen Eingang oder Stahl vor 6 Pferde Raum, in der Mitte ist der große Platz darin das Kamrad von Pferden gezogen wird, an der Nordseyten ist die Diele, darauf der Ruf mit die Mühlen Steine stehen, und hinten gegen Westen eine kleine mittelmäßige Stube, dahinter ein kleine Kücke, vorn Auf der Dielen eine kleine helle Schlaf-Kammer; an der Nordseyten bei den Hause ist ein kleiner Hof mit einem Thor Wege, hinten gegen Westen einen großen Hof, darauf an der Nordseyten oder Stadt Mauer ein klein angelehnter Stahl vor 3 Pferde raum dabey. Ein klein Waschhauß.

Boden:

Hat einen mit Brettern belegten großen Boden auf der Mauerschall, daran der Wellbaum des Kamrads feste ist. Dieses Hauß ist als eine königl. Roß und Korn Mühle steuhr frey Ist itzo nicht im Gange.“

„Der Platz No. 25 ist belegen im S. Georgen Viertheyl auf des Rambsberg Ecke gegen Osten, grentzet Südwertss mit der Mühlen Straßen,  Westwerts mit H. Johan Stiefflebens Wüste Stelle, Nordwerts mit der Königlichen Roßmühle, Eigenthümer ist Sehl. Schattauen Wittwe. Auf diesen Platz sollen unterschiedliche Buden gestanden seyn, wie viel aber habe nicht erfahren können. Ist itzo gantz der Erden gleich und sind keine Mauern darauf.

1727 besaß Kaufmann Kinker eine Hausstelle an der Mühlenstraße. Dieser Bereich ist der heutige Hofbereich. Der Kaufmann gab einen Teil, sehr wüster Bereich, des Grundstücks dem Kloster St. Annen und Brigitten für die unentgeltliche Aufnahme seiner Tochter in das Kloster

21. 03. 1737 das Kloster St. Annen und Brigitten erwirbt den wüsten Eckplatz

1750 gab es Pläne zum Abbruch der Roßmühle. Das Kloster St. Annen und Britten wollten auf dem Grundstück ein Gebäude errichten. Die Pläne wurde nicht umgesetzt.

Mitte dem 18. Jahrhundert wurde ein Garten mit Obstbäumen an der Ecke Mühlenstraße, Mönchstraße angelegt. Dieser Garten wurde von den Klosterdienern bewirtschaftet.

1801 Beschreibung: Roßmühle mit Stall für neun Pferde, darin schloss sich noch Stall zwölf Pferde, Ecke Mühlenstraße, Mönchstraße als Garten genutzt

16. 02. 1802 Antrag des schwedischen Generalgouverneurs zum Erwerb des Platzes neben dem Hospitaler Tor für den Bau einer Reithalle

20. 08. 1802 Vertrag zwischen den Provisoren und Administratoren von St. Annen und Brigitten und der schwedischen Krone über den Bau einer
Reithalle auf dem wüsten Platz vor dem Hospitaler Tor, Schwedische Krone pachtete das Terrain für 20 Reichstaler das Jahr,
Reithalle dufte auch von zivilen Personen genutzt werden

1866 Unterbringung von Kriegsgefangenen in der Reithalle und im Pferdestall, Jägerstall genannt

Stralsund Reitstall Bild 2

13.5.1867 Ankauf des Reitbahngrundstücks durch das Militär

9.6.1872 Gesuch des Oberst und Ingenieurs vom Platz, Leopold Alfred Hindorf, um Genehmigung zur Errichtung eines Artilleriepferdestalles
„Der wohllöblichen Polizei-Direction übersende ich in der beiliegenden Mappe die Entwurfszeichnungen für einen an Stelle des soge-
nannten alten Jägerstalles an der Reitbahn neu zu erbauenden Artillerie-Pferdestall mit der ergebensten Bitte, die Genehmigung die-
dieses Bau’s durch den Hochlöblichen Rath gefälligst herbeiführen zu wollen. Das neue Stallgebäude soll massiv in Ziegelrohbau ausgeführt und mit
Schiefer eingedeckt werden.“

18.3.1873 Abnahme des fertigen Stallgebäudes durch Stadtbaumeister Ernst von Haselberg

Juni 1877 Vorstellungen der Kunstreitergruppe Krembser auf der Reitbahn

1902 Aufhebung der unentgeltlichen Nutzung der Reitbahn durch Stralsunder Bürger

1928 Nutzung des Pferdestalles durch die Schutzpolizei, ist auch Eigentümer des Stalles

um 1930 Eröffnung eines „Reitinstituts“ durch H. Benne

Okt. 1944 Aufbahrung von Opfern des Bombenangriffs vom 6. Oktober 1944 im Pferdestall und in der Reithalle

nach 1945 Sitz der Abteilung Ausbau des VEB Bau Stralsund

1952 Ausbau von Büroräumen

ab 1958 Sitz des VEB Kommunale Wohnungsverwaltung Stralsund

04.03.2011 Ankauf des Pferdestalles durch den neuen Eigentümer